Alaska

Gibt es in hier wirklich die größten Mücken? Endet der Alaska Highway unter einem Regenbogen? Auf meiner Tour durch den nördlichsten Bundesstaat der USA werde ich es herausfinden und Du kannst es hier nachlesen.

Nach der Rückkehr vom Dempster Highway ging es von Dawson City am 01. August weiter nach Alaska. Die Route führte dabei über den Top of the World Highway. Und Alaska begrüßte mich mit jeder Menge Regen.

Top of the World Highway

Die Verbindung von Dawson City in Kanada nach Alaska geht über den 127 Kilometer langen Highway. Wobei man Highway niemals mit Autobahn übersetzen sollte, auch wenn das für uns immer so klingt. Tatsächlich ist die Straße zunächst sehr gut befahrbar und weitestgehend asphaltiert. Doch um es für mich spannender zu machen, hat wohl jemand den Regen geschickt und die Berge in Wolken verhüllt. Daher ist die Aussicht leider nicht so berauschend, aber es ist dennoch eine schöne Etappe, die auf einer Reise im Norden des Amerikanischen Kontinents nicht fehlen sollte.

Mit jedem Höhenmeter wurden die Wolken dichter und die Straße schlechter. Teilweise war der Belag nun nur noch eine Dreckpiste mit losem Schotter, die vom Regen an manchen Stellen auch schön rutschig war. Die Grenzstation selbst erreichte ich bei Sichtweiten von unter 10 Meter. Zunächst dachte ich, es sei die kanadische Ausreisekontrolle, doch dann bemerkte ich das Wappen der USA auf der Schulter des Beamten. Und tatsächlich: An dieser Grenze wird nur die Einreise kontrolliert. Dafür bekommt man aber neben dem offiziellen Stempel auch noch einen ganz besonderen in den Reisepass. Mit der ersten Einreise in die USA läuft nun auch meine Aufenthaltsdauer von 3 Monaten und somit habe ich bis Ende Oktober Zeit um im Süden nach Mexiko auszureisen.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Durchfahrt im Ort Chicken. Die Einwohner haben sich den Namen geschickt zu Nutze gemacht und man sieht überall Hühner als Dekoration und eines davon ist besonders groß geraten. Das Dorf ist ursprünglich zu Zeiten des Goldrausches entstanden und so kann man auch hier eine der Maschinen zum Goldschürfen besichtigen. Und der Name kommt daher, weil die ersten Goldsucher sich hauptsächlich von den hier lebenden Alpenschneehühnern ernährt haben.

Das Ende des Alaska Highway

An diesem ersten Tag in den Vereinigten Staaten fand meine Fahrt in Delta Junction, dem Ende des Alaska Highway ihr Ende. Und leider sah das Wetter hier auch nicht besser aus. Dafür zeigte sich am Horizont ein Regenbogen als krönender Abschluss dieser Fahrt. Nach etwas Suchen fand ich eine überdachte Terrasse in einem öffentlichen Park unter der auch schon ein Zelt stand. Dieses gehörte Detlef, einem in Deutschland geborenen Australier, der mit seinem Fahrrad schon überall in der Welt unterwegs war. Seine Erzählungen lassen mich von weiteren Ländern träumen.

Übrigens: Hier in Delta Junction gibt es tatsächlich die größten Mücken, die ich bislang gesehen habe. Diese sind aber sehr zahm und bewegen sich nicht vom Fleck. Und ihre kleinen, fiesen, lebendigen Verwandten gibt es hier fast gar nicht. Was mich und Detlef sehr überraschte, aber auch nicht wirklich störte.

Im Regen durch Alaska

Tag Zwei in Alaska und meine Route geht nordwärts auf dem Richardson Highway. Dabei komme ich durch den Ort North Pole, der hier in Nordamerika als die Heimat des Weihnachtsmannes vermarktet wird. Selbst die Säulen der Straßenlaternen sehen aus wie die typischen rot-weißen Zuckerstangen. Das Ziel für heute sollte die Heiße Quelle in Chena Hot Springs sein. In meiner naiven Vorstellung hoffte ich dort einfach zelten zu können. Aber leider ist dieser Ort zum Einen mit schickem Hotel und Restaurant sehr touristisch erschlossen und zum Anderen regnet es in Strömen. Das Bad im Heißen Wasser tut mir trotzdem gut und ich bleibe etwa 2 Stunden dort und genieße die Wärme. Dennoch muss ich irgendwann weiter und fahre zurück nach Fairbanks um dort nach einem Hostel zu suchen.

“Not another KTM guy.” Dies waren die ersten Worte die ich von Randy hörte. Nicht noch ein weiterer Typ mit einer KTM. So sprach er mich an, als ich vorm Regen Schutz suchend unter dem Vordach eines Einkaufzentrums stand und im Internet nach einer Unterkunft in Fairbanks suchte. Nach ein paar Worten, bot Randy mir an bei ihm zu übernachten und ich nahm die Einladung dankend an. Aus der einen Übernachtung wurden, aufgrund des anhaltenden Regens, zwei und ich hatte somit einen Tag frei um der guten Jolly Blue etwas frisches Öl zu gönnen. Nach fast 11.000 Kilometern war das auch dran. Randy versorgte mich mit sehr gutem Essen und wir unterhielten uns viel über das Reisen und das Leben in den USA und Europa.

Alaskas Süden

Nachdem es am Sonntagabend aufgehört hatte zu regnen, hoffte ich das ich am Montag bei der Fahrt entlang des Parks Highway in den Süden trocken bleibe. Doch leider gab es erneut immer wieder Regenschauer und auch der Berg Denali, früher auch Mount McKinley genannt, blieb in den Wolken verborgen. Somit blieb mir nur ein kurzer Stop im Besucherzentrum des Denali Nationalparks in dem man sich auch ein paar sehr gut gemachte Filme über den Nationalpark ansehen kann. Schade, ich hätte gern den höchsten Berg Nordamerikas selbst gesehen.

Auf der weiteren Fahrt wurde das Wetter langsam besser, bis dann endlich kurz vor Anchorage der Himmel aufklarte. Ich suchte einen Platz zum Zelten für die Nacht und fand ein Naherholungsgebiet an einem Fluss. Bei der Erkundungstour zeigte sich aber, das ich nach über 600 Kilometern Fahrt doch nicht mehr ganz konzentriert war. Als ich eine kleine Stelle mit Sand auf dem Weg in den Wald hochfahren wollte, übersah ich das Grasbüschel welches in den Weg hineinragte. Kurz darauf gab es hinten rechts am Motorrad einen Hieb und ich lag da. Mir ist nichts passiert, aber die gute Jolly hat ein paar Blessuren davon getragen. Diese konnte ich aber am nächsten Tag weitestgehend selbst reparieren. Nur die Suche nach einem Schweißer für die Halterung des rechten Kofferträgers gestaltete sich schwierig. Nach etwas 8 verschiedenen Werkstätten wurde ich fündig und bekam die Halterung kostenlos repariert. Wenn man bedenkt, dass der Mindestbetrag sonst über 60$ gewesen wären, war dies doch eine sehr gute Nachricht. Ansonsten waren zwei Schrauben der Kofferträger defekt, die ich aber als Ersatzteil dabei hatte, der Spiegel verdreht und der Blinker abgegangen.

Zurück nach Kanada

In Anchorage blieb ich eine Nacht mit meinem Zelt im Hostel und schaute mir ein wenig die Stadt an. Am nächsten Morgen ging es dann aber wieder weiter zurück nach Kanada. Die Etappe ist aber so lang, dass ich dafür eine weitere Übernachtung einplante. Im ersten Teil auf dem Glenn Highway freute ich mich über die schöne Straße und die immer wieder genialen Aussichten auf das Tal. Außerdem stand hier ein Besuch am Matanuska Gletscher auf meinem Programm. Für die Wanderung an und auf dem Gletscher muss man leider 30$ Eintritt bezahlen, aber es hat sich dennoch gelohnt. Den Gletscher so nah zu sehen und dort entlang zu gehen ist sehr beeindruckend. Man kann deutlich die Kälte an den Füßen spüren und gleichzeitig kommt ein warmer Wind das Tal hinauf. Und irgendwie ist mir das Thema Klimawandel hier nochmal viel präsenter. Denn man sieht deutlich, wie sich die Umgebung in den vergangenen Jahren verändert hat.

Für mich ging es dann weiter bis nach Glennallen, einer kleinen Stadt in der Nähe des Copper Valley. Und mit Blick auf dieses liegt auch mein Schlafplatz für diese Nacht. Im Hintergrund kann man die Wrangell Mountains sehen und nur wenige Meter neben meinem Zelt geht es steil in das Tal hinab. Ich bin froh, dass ich damit in Alaska doch noch etwas von der faszinierenden Landschaft gesehen habe. Denn am nächsten Tag, dem 07. August, verlasse ich die USA und reise wieder in Kanada ein. Wie schon bei der Ausreise gibt es nur eine Grenzkontrolle. Doch es lohnt sich, an der US Grenze anzuhalten um nach dem zweiten besonderen Stempel für den Reisepass zu fragen. Der Regen begleitet meine Ausreise aus Alaska natürlich auch wieder und so fahre ich an diesem Tag noch bis nach Haines Junction und gehe dort um 23Uhr in das Hostel Wanderers Inn.

Am nächsten Tag werde ich die 25.000 Kilometer Marke überschreiten und treffe zum zweiten Mal auf einen jungen Motorradreisenden aus Mexiko. Er ist mit einigen spanischen und argentinischen Reisenden unterwegs und ich schließe mich Ihnen für die nächsten Tage an. Wie es mit der Verständigung klappt und wohin die Reise geht, lest ihr im nächsten Beitrag.

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