Vancouver Island

Eine Insel von der wahrscheinlich jeder schwärmt der schon einmal dort gewesen ist. Abwechslungsreiche Natur, der pazifische Ozean und entspannte Surferkultur. All das kann man auf Vancouver Island, der größten nordamerikanischen Insel im Pazifik entdecken.

Vancouver

Bevor ich auf die Insel gefahren bin, habe ich mir noch ein paar Stunden die Stadt Vancouver angesehen. Am Abend des 2. Oktober bin ich hier angekommen und habe Geoff besucht. Ihn hatte ich bei der KTM Adventure Rally in Rossland kennenglernt. Und so bin ich also wieder einmal bei einem freundlichen KTM Fahrer untergekommen. Er wohn mit seiner Frau in einem Viertel von North Vancouver, welches des öfteren für Dreharbeiten genutzt wird. Auch an diesem Abend stehen einige große Trucks auf der Straße und eines der benachbarten Häuser wird von hellen Scheinwerfern erleuchtet. Doch statt des nächsten Hollywood Blockbusters wird dieses Mal nur ein Werbefilm gedreht.

Nach einem schönen Abend und einer guten Nacht, geht es für mich am Morgen des nächsten Tages weiter. Damit ich Vancouver aber nicht nur vom Highway aus gesehen habe, besuche ich zumindest noch ein paar der touristischen Highlights des Stadt. Angefangen habe ich beim Cleveland Dam. Dieser ist immerhin 91m hoch und bildet das Wasserreservoir um die Region mit Trinkwasser zu versorgen.
Mein zweiter Stop war der Lynn Canyon Park und die Hängebrücke über den Canyon. Im Gegensatz zur touristisch vermarkteten Capilano Hängebrücke, kann man diese im Lynn Canyon kostenlos besichtigen.

Mein dritter und letzter Stop in Vancouver war die Fahrt über die Lions Gate Bridge in den Stanley Park. Die Brücke ist ebenfalls eine Hängebrücke welche die Stadt Vancouver mit dem nördlich gelegenem North Vancouver verbindet. Der Name kommt von den The Lions genannten Berggipfeln. Wenn man die Brücke von Süden nach Norden überquert, fährt man in Richtung dieser Berge und somit wurde die Brücke eben als das “Tor zu den Löwen” bezeichnet.

Vancouver Island

Eine letzte Station gab es noch, bevor ich dann endlich die Fähre von Horseshoe Bay nach Nanaimo genommen habe. Die Küstenstraße nach Squamish ist eine schöne kleine Tour und ideal, wenn man noch etwas Zeit hat. Am Nachmittag traf ich dann am Fährhafen ein und durfte direkt in erste Reihe parken. Wie so oft gibt es für Motorräder auch hier einen separaten Wartebereich. Meist dürfen Motorradfahrer als erstes an Bord fahren, weil man das Motorrad mit Gurten oder Seilen sichern muss. Und auch als Fahrer benötigt man meist mehr Zeit bis man alles aus den Taschen geholt hat was man an Bord der Fähre dabei haben möchte. Bis man also auf das Deck gehen kann, ist die Fähre oft schon voll. Die Kombination aus überdimensionierten Autos und älterer Fähre gestaltet den Weg zum Ausgang aus dem Fahrzeugdeck zu einem echten Labyrinth.

Als ich oben angekommen bin, ist wie fast immer schon alles besetzt und so gehe ich auf das Außendeck. In der warmen Motorradkombi ist das aber eh meist angenehmer als der volle Passagierraum. Und das Ablegen vom Hafen schaue ich mir auch jedes Mal wieder an. Dieses Mal ist es immerhin das letzte Mal, dass ich das kanadische Festland sehen werde. Denn nach dem Ausflug nach Vancouver Island geht es im Süden der Insel mit der Fähre in die USA.

Ab in den Norden

Schon von der Fähre aus konnte ich sie sehen. Die grauen Regenwolken die auch am Himmel über Vancouver Island entlangzogen. Ein prüfender Blick auf die Wettervorhersage und das Regenradar zeigte, dass es im Norden der Insel wohl weniger Regnen soll. Also: Ab in den Norden. Mir passte das auch ganz gut, denn ich hatte es vor zunächst nördlich zu fahren. Doch irgendwie hatte das Wetter seine eigene Vorhersage nicht wirklich gelesen. Denn auch bei meiner Fahrt entlang der östlichen Küste erwischte ich so einige Regenschauer. Und da es ja auch irgendwann wieder Nacht wird, begann erneut die Suche nach einem Schlafplatz. Diese endete beim Zeltplatz im Kitty Coleman Park. Der leider schon seine Saison beendet und geschlossen hatte. Da es aber schon dunkel war, schlug ich mein Zelt einfach am Rand des Parkes auf und hoffte, das sich daran keiner stören würde.

Nach fast drei Wochen ist dies die erste Nacht wieder im Zelt. Ich habe zum Glück nicht verlernt, wie man dieses aufbaut, denn bei anhaltendem Nieselregen, muss das alles möglichst schnell gehen. Die Wellen rauschen im Hintergrund und ich schlafe relativ schnell ein.
Am nächsten Tag versuche ich weiter in den Norden zu fahren. Und schaffe es nur bis nach Kelsey Bay. Ein kleiner Fischerort im Sayward Tal. Das Regenradar zeigte nun wieder eine ganz neue Wetterlage an. Nun sollte es im Norden vermehrt und stärker regnen und dafür im Süden bald besser sein. Das Fahren und vor allem Zelten bei Regen ist nicht so besonders schön, also ändere ich meine Route fahre wieder Richtung Süden. Und auf dem Weg dorthin machte ich noch ein paar kleine Abstecher in Richtung Westen.

Die erste Station ist Gold River. Die Straße 28 dorthin ist eine tolle Strecke zum Motorradfahren und das Wetter wurde auch etwas besser. In der Stadt angekommen füllte ich den Tank und machte mich auf den Rückweg. Denn entlang der Strecke hatte ich auf der Karte im iOverlander einige Plätze zum Wildcampen gesehen. Einer davon ist nur wenige Meter neben und unterhalb der Straße, direkt am See. Und wenn kein Auto vorbeikommt, ist es sehr ruhig. So ruhig, dass mich jedes Geräusch aufhorchen lässt. Also heißt es schnell die Augen zu machen und darauf vertrauen, dass das Rascheln der Blätter nur von Wind und Regen und nicht von einem hungrigen Bären kommt.

Surferparadies am Pazifischen Ozean

Tofino – Das sollte mein Ziel für den nächsten Tag sein. Und die Straße dorthin war erneut sehr schön, wenn da nicht der viele Verkehr und die Baustelle wäre. Den Ort am nördlichen Ufer der Halbinsel erreiche ich dann an diese Tag auch nicht mehr, denn die Straße ist nach einem Unfall gesperrt. Ich entscheide mich spontan dafür in den südlich gelegenen Ort Ucluelet zu fahren. Dort stehe ich dann zum ersten Mal auf dieser Reise am Ufer des pazifischen Ozeans. Ein doch sehr besonderer Moment, immerhin bin ich nun einmal von Ozean zu Ozean gefahren.

Leider erschwert der viele Tourismus auch hier wieder die Suche nach einem kostenlosen Platz zu Zelten. Und auch die Zeltplätze hier haben bereits die Saison beendet. Auf einem direkt im Ort gelegenen Platz laufe ich eine kurze Runde und werde dabei von Franco angesprochen. Er ist mit seiner Frau zusammen mit dem Wohnmobil unterwegs und die beiden schlagen mir vor mein Zelt auf ihrer Fläche aufzubauen. Perfekt, denn so spare ich mir die 30 kanadischen Dollar für einen geschlossenen Zeltplatz, bei dem selbst das Sanitärgebäude schon abgeschlossen ist.

Tofino besuche ich dann am nächsten Tag. Und diese Stadt ist wirklich etwas besonderes. Bereits in Ucluelet war diese entspannte Stimmung spürbar doch hier ist es noch deutlicher. Vielleicht geht es nur mir so. Vielleicht sind es die Nachwirkungen meines Surfurlaubs in Frankreich. Aber solche kleinen Orte in denen einige Surfer zu sehen sind, wirken auf mich immer unglaublich entspannt. Und mit Sicherheit liegt es auch daran, dass die Hauptsaison schon vorüber ist. Denn im Sommer ist hier sicher Hochbetrieb. Vor lauter Genießen habe ich es doch glatt geschafft vom Ort selbst keine Fotos zu machen. Dafür aber vom nahegelegenem Strand und natürlich vom Regenwald des Pacific Rim Nationalpark. Diesen durchquert man auf dem Weg von und nach Tofino.

Ab in den Süden

Meine letzte Station auf Vancouver Island war die Hauptstadt der Provinz British Columbia im Süden der Insel – Victoria. Hier blieb ich für zwei Nächte im Hostel und hatte ein Bett im wohl größten Schlafsaal den ich bislang erlebt hatte. insgesamt 42 Betten stehen hier in einem Raum. Glücklicherweise sind nicht alle belegt und die Aufteilung ist doch clever gemacht. Es sind immer 8 Betten in einer Art Abteil zusammen und dazwischen ist eine Trennwand aus Holz. Diese geht aber nicht bis zur Raumdecke, also ist es immer noch alles in einem Raum. Aber dennoch mit etwas mehr Privatsphäre, wenn man davon noch reden kann. Überraschenderweise sind die zwei Nächte aber sehr gut und ruhig.

Den Tag Fahrpause nutze ich wie meist um hier im Blog einen Post zu verfassen, ein paar Erledigungen zu machen und um natürlich die Stadt zu besichtigen. Mein Motorrad steht mit fast allem Gepäck sicher im benachbartem Parkhaus, welches am Wochenende sogar kostenlos ist. Und so kann ich in Ruhe zu Fuß die Umgebung erkunden. Dabei gefällt mir besonders das Viertel Chinatown mit der bunten Beleuchtung. Aber auch in den anderen Straßen gibt es einige schöne alte Häuser die Nachts beleuchtet werden. Die Stadt selbst wirkt nicht so groß wie man es für über 85.000 Einwohner erwarten würde. Und auch das sonst so chaotisch hecktische Großstadttreiben ist hier nicht so zu finden. Vielleicht ist es aber auch nur der Sonnenschein der mich nach mehreren Tagen Regen so positiv stimmt.

Am 7. Oktober war es dann soweit. Ich nahm die Fähre von Victoria nach Port Angeles in den USA. Damit habe ich Kanada für diese Reise endgültig verlassen. Und passend dazu kommt auch der Regen wieder.

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