CHILE – 2 Monate Motorradreise – 1 abruptes Ende

Eine Motorradreise durch Chile, von Nord nach Süd, macht man nicht mal eben in ein paar Tagen. Und nur wenige würden diese Strecke in einer Woche fahren wollen. Denn das Land ist lang, sehr lang. Etwa 4.200 Kilometer, dafür sind es von Ost nach West aber meist unter 200 Kilometer. Meine Reise sollte bis in die südlichste Stadt der Welt, nach Ushuaia, führen und somit einmal komplett durch Chile. Naja, und ein paar kurze Abschnitte durch Argentinien waren auch dabei.

Zwei Monate war ich in diesen beiden Ländern unterwegs, bevor am 27. März meine Reise ein abruptes Ende fand. Durch die Corona Pandemie, gab es eine allgemeine Reisewarnung und die Empfehlung umgehend nach Deutschland zurück zu kehren. Anfangs dachte ich noch ich könnte auch zwei Wochen in Santiago de Chile abwarten und dann weiter fahren. Doch das änderte sich dann schlagartig mit den Grenzschließungen in Südamerika und den Ausgangsverboten in den angrenzenden Ländern.
Somit bleibt nun nichts anderes übrig, als die Eindrücke der letzten Monate zu verarbeiten und hier in Wort und Bild zu teilen.

Chiles Norden

Grenzübergang und Ruta 5

Ende Januar überquerte ich die Grenze von Peru nach Chile. Der bürokratische Akt wurde hier an der Grenzstation zwischen Tacna und Arica sehr unkompliziert erledigt. Einzig der Anfang des Prozesses ist doch sehr seltsam. Das notwendige Formular erhält man nämlich nicht an einem der Schalter wo die Grenzbeamten der beiden Länder sitzen, sondern man kauft dieses in der Cafeteria in der zweiten Etage des Hauptgebäudes an der Kasse.
Hat man dieses einmal ausgefüllt, beginnt die Sammlung der Stempel. Am Ende erfolgt dann noch eine Kontrolle des Gepäcks auf Früchte, Obst, Fleisch und Käse und nach weniger als 30 Minuten darf man in Chile einreisen.

Da es mein Plan war, zunächst bis nach Ushuaia zu fahren und danach nochmals in den Norden zu reisen, folgte ich hauptsächlich der Ruta 5 durch die Wüste im Norden Chiles. Über weite Teile gibt es nichts zu sehen außer Sand, Steine und in der Ferne die Gebirgszüge der Anden. Doch wenn es im Gebirge starke Regefälle gibt, dann sieht und spürt man diese auch in der Wüste. An einer Stelle wird die Ruta 5 in dieser Zeit von Wasser überspült. Bei der Durchfahrt dieses doch sehr langen Abschnitts muss man sehr aufpassen um nicht plötzlich im Schlamm wegzurutschen. Anhalten mit dem Motorrad ist an dieser Stelle auch keine gute Idee. So überholte ich im Wasser einen LKW, dem ich zuvor schon sehr viel Vorsprung gelassen hatte, der aber dann am Ende plötzlich sehr langsam wurde.

Mano del Desierto

Seit 1992 zählt die Skulptur Mano del Desierto sicher zu einem Höhepunkt für viele Reisende im Norden von Chile. Der Künstler Mario Irarrázabal hat diese als ein Mahnmal für die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen geschaffen. Auch für mich war dieser Ort fest eingeplant auf der Route. Durch die zahlreichen Reiseberichte von anderen Motorradreisenden, habe ich schon einige Bilder von dort gesehen. Doch was mich dort erwartete, habe ich so noch nirgends gesehen.

Nach einer Nacht im Zelt in der Atacama Wüste, hatte ich nur wenige Kilometer bis zur Hand in der Wüste zu fahren. Die Vorfreude wuchs je näher ich dem Abzweig an der Ruta 5 kam und dann konnte ich meinen Augen kaum trauen. Neben der Skulptur standen einige LKW und direkt davor eine Familie mit ihrem Minivan. Scheinbar war gerade Frühstückspause angesagt, doch warum man sich dafür so nah neben ein Kulturdenkmal und eine touristische Attraktion stellen muss, ist mir bis heute ein Rätsel. Vor allem da es ringsum mehr als ausreichend Platz zum Parken gibt. Mit meinen wenigen Worten Spanisch konnte ich die LKW Fahrer und auch die Familie darum Bitten ihre Fahrzeuge zur Seite zu stellen um kurz ein Bild mit der Wüstenlandschaft im Hintergrund zu machen.

Santiago de Chile

Die Hauptstadt von Chile erreichte ich nach 5 Tagen. Je näher man der Stadt kommt, umso mehr ändert sich auch die Landschaft. Es wird zunehmend grüner und weniger trocken und sandig. In Santiago war meine erste Station der KTM Händler um dort einen Service inklusive der Ventilspielkontrolle zu machen. Einen Luftfilter konnte ich hier allerdings wieder nicht wechseln, da es diesen für mein Modell nicht mehr im Lager gibt. Selbst der Wechsel des Kettensatzes war schwieriger als gedacht, denn bei der Kette für die 990er KTM fehlte das Nietschloss, weshalb ich schließlich die Kette einer 1190er verwendete.

In der Stadt nahm ich ein Bett im unter Motorradreisenden geradezu berühmten Casa Matte Hostel. Der Inhaber Christian ist selbst Motorradfahrer, was man an vielen kleinen Details sehen kann. So wird schon mal ein hinteres Kettenblatt als Abdeckung für einen Abfluss im Innenhof verwendet. Die Werkstattwände sind mit alten Kettensätzen dekoriert und im Wohnzimmer stehen zwei alte Motorräder als Dekoration. Bei meinem ersten Besuch Ende Januar war es auch noch gut besucht und so konnte man sich Abends im Innenhof oder auf der Dachterasse über die weitere Reiseroute austauschen.

Demonstrationen in Chile

Bei uns hörte man aus Chile, insbesondere aus Santiago, im Herbst 2019 ja eher schlechte Nachrichten. Es gab große Demonstrationen bei denen es auch immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen ist. Und auch wenn es in Deutschland nicht mehr in den Nachrichten kommt, die Demonstrationen gehen weiter. Im Januar und Februar war es zwar, bedingt durch die großen Ferien in Chile, deutlich ruhiger. Aber wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort unterwegs ist, kann es schon passieren das man plötzlich eine Tränengaswolke um sich hat. So ging es mir jedenfalls als ich mir die Proteste Ende Januar angesehen habe.

Im Zentrum der Stadt sieht man überall die Spuren der Zerstörung durch die Demonstranten. Ampeln und Verkehrsschilder wurden umgestürzt, Bushaltestellen zerstört und Pflaster aus dem Gehweg gerißen. Die Wände sind voll mit Graffiti und kaum ein Reklameschild ist noch intakt. An den wichtigen Plätzen stehen große Betonbarrikaden und auf den Straßen sieht man immer wieder schwarze, verkohlte Stellen an denen Müll verbrannt wurde. Kein besonders schöner Anblick und für mich ist es unverständlich, warum bei den Protesten diese Gewalt aufkommt. Bei meinen Spaziergängen in den betroffenen Stadtvierteln hatte ich immer den Eindruck, dass es für die Demonstranten eine Art Spiel ist. Nach dem Motto, mal sehen wie weit man gehen kann, bis die Polizei einschreitet.

Mein zweiter Aufenthalt in Santiago de Chile verlief komplett anders als geplant. Durch die Corona Pandemie musste ich meine Pläne völlig ändern. Mehr dazu, erfährst du am Ende dieses Beitrags.

Unerwartete Gastfreundschaft

Viele Reisende berichten von einer besonders großen Gastfreundschaft in Südamerika. Ich persönlich konnte da keinen so großen Unterschied zu meiner Zeit in Kanada und den USA feststellen. Denn dort wurde ich sogar öfter von Menschen angesprochen und zu ihnen nach Hause eingeladen. Vielleicht ist aber auch meine Sprachbarriere in Südamerika doch zu groß. Zwar wird man fast immer angesprochen, aber meist reicht es dann nur für die Fragen woher man kommt und wohin man reisen möchte. An einem Tag allerdings wurde ich trotzdem eingeladen und erlebte einen Abend den ich so nie vergessen werden.

Ich hatte mir für die Nacht bereits einen Platz zum Wildcampen im Wald ausgesucht. Doch dort kamen im Laufe des Nachmittags einige Leute vorbei. Als schließlich ein älterer Mann mir von gefährlichen Verbrechern in der Region erzählte und meinte es wäre lebensgefährlich allein dort im Wald zu bleiben, brach ich mein Zelt ab und fuhr weiter. Die nächsten Stationen waren entweder geschlossen, erlaubten es nicht zu zelten oder waren irrsinnig überteuert. So erreichte ich die Stadt Victoria und suchte ein Hostel. Vor einem sprach mich Samuel an und nach ein paar Minuten folgte ich ihm auf dem Weg zu seinem Haus. Er lief auf dem Gehweg und ich fuhr nebenher.

Sein Haus gleicht mehr einer kleinen Hütte. Ein Wohnzimmer mit Kochstelle und ein Schlafzimmer. Die Dusche ist im hinteren Haus, in welchem sein Cousin mit Familie wohnt. Ich gebe ihm etwas Geld mit dem er Bier für den Abend holt und nutze die Gelegenheit für eine kurze Abkühlung unter der Dusche.
Den Rest des Abends verbringen wir mit Heavy Metal und Punkrock Musik von Kassette und versuchen uns gegenseitig von unserem Leben zu erzählen.

Carretera Austral – die schönste Straße in Chile

Puerto Montt

Das Ziel für jeden Motorradreisenden in Chile ist die Carretera Austral in Patagonien. Diese Straße führt über ungefähr 1350 Kilometer nach Villa O’Higgins und beginnt in Puerto Montt. Dort hat man zwei Optionen für den weiteren Weg in den Süden. Entweder man fährt entlang der Küste des Festlandes oder man fährt zur Fähre auf die Insel Chiloé. Ich habe mich für letzteres entschieden und in der Nähe des Fähranlegers in einer Bucht gezeltet. Als ich dort am Abend noch am Ufer saß hörte ich plötzlich ein zischendes Geräusch und sah kurz drauf Delphine auf der Jagd nach ihrem Abendessen immer wieder aus dem Wasser tauchen.

Insel Chiloé

Tierisch ging es auf der Insel Chiloé dann auch weiter. Meine erste Station dort war die Pinguinkolonie in Puñihuil. Wenn man diesen ganz nah kommen möchte, kann man dort eine Fahrt mit einem Boot buchen. Ich habe darauf verzichtet und die Pinguine nur vom Strand aus beobachtet.

Auf der Insel habe ich mir noch den Wasserfall in Tocoihue angesehen und die Wanderung zur Muelle De Las Almas gemacht. Ob sich diese ungefähr zwei Kilometer lange Wanderung lohnt, sollte jeder selbst entscheiden. Es geht auf einem holprigen Waldweg durch den Wald entlang der Küste. Bis man am Ende, nach einigen Auf- und Abstiegen, auf einem Pfad zur Küste gehen kann. Dort wurde ein Holzsteg errichtet, auf dem sich alle fotografieren lassen. Natürlich nur, wenn man zunächst mindestens 30 Minuten in der Schlange gewartet hat. Ich denke, es ist etwas überbewertet, zumal es auf der Insel noch andere schöne Orte gibt, die auch einfacher zu erreichen sind.

Nach einer Übernachtung in einem alten Fort fuhr ich weiter in die Stadt Castro. Dort traf ich im Hostel wieder auf Mike aus England. Ihn und seine KTM 690 hatte ich bereits in Santiago de Chile im Hostel Casa Matte getroffen. Wir stellten fest, dass wir jeder ein Ticket für die selbe Fähre zurück aufs Festland hatten. Also beschlossen wir den weiteren Weg auf der Carretera Austral gemeinsam zu fahren.

Carretera Austral

Vom kleinen Ort Chaitén geht es nun immer Richtung Süden. Anfangs auf größtenteils sehr gut befestigten und asphaltierten Straßen. Nur ein paar wenige Abschnitte nördlich von Coyhaique sind noch ohne Asphalt. Doch diese sind dann durchaus herausfordernd. Zum Einen weil der Untergrund sehr lose ist und es in steilen Serpentinen bergauf und -ab geht. Zum Anderen ist auf diesem Teil der Carrtera auch noch recht viel Verkehr.

Entlang der Straße bieten sich hier immer wieder Ausblicke auf blaue Seen und steil aufragende Berge deren Gipfel mit Schnee bedeckt sind. Die Seen und Flüsse werden von manchmal sehr schmalen Brücken überspannt. Und sobald man die Hauptstraße verlässt geht es nur noch auf Schotterpisten weiter.
Da die Ruta 7, wie die Carretera Austral offiziell heißt, die einzige Verbindung in Nord-Süd-Richtung ist, fährt man einige Abschnitte mehrfach. Aber das ist bei dem Anblick wohl nicht ganz so schlimm.

Patagonien

Der nördliche Teil der Ruta 7 erinnert mehr an die Landschaft in den Alpen. Doch mit jedem Kilometer weiter südlich von Coyhaique sah die Umgebung für mich aus wie im hohen Norwegen auf den Inseln der Lofoten und Vesteralen. Die Berge sind nicht ganz so hoch, aber dennoch sehr steil und dafür mit üppigem Grün bedeckt.
Das Gras schimmert gold gelb im Sonnenlicht und die Piste ist oft nur wenig breiter als eine Fahrzeugspur und besteht aus festem Schotter. Es ist einfach fantastisch dort entlang zu fahren.

Bienvenidos a Argentina

Paso Roballos

Über den Paso Roballos geht es durch den Patagonia Nationalpark nach Argentinien. Diese Strecke zählt zu den schönsten Grenzübergängen zwischen den beiden Ländern. Da es eine reine Schotterpiste ist, die besonders auf argentinischer Seite in einem weniger guten Zustand ist, ist der Verkehr auf dieser Etappe sehr gering. Weil mich die Landschaft so sehr beeindruckt hat, bin ich diesen Pass gleich zweimal gefahren. Einmal auf dem Weg in den Süden zusammen mit Mike. Einige Tage später in Richtung Norden zusammen mit Allen, den ich bei der Fahrt mit der Stahlratte kennen gelernt hatte.

Ruta 41

Die erste Nacht in Argentinien verbrachten wir am See Lago Posados. Dort mussten wir unsere Zelte sehr gut sichern, damit diese nicht vom starken Wind weggeweht werden. Tatsächlich war es so, dass der Wind immer stärker wurde, je näher wir der argentinischen Grenze kamen.
Vom See führt ein neu erschlossener Abschnitt der Ruta 41 in den Perito Moreno Nationalpark. Dieser wird als richtige Off-Road Etappe mit sehr steilen Auffahrten beschrieben. Daher war ich mir zunächst nicht sicher, ob ich das mit der voll beladenen Jolly Blue fahren wollte. Doch im Nachhinein muss ich sagen, war es eine der genialsten Strecken die ich je gefahren bin. Es war durchaus sehr anspruchsvoll, aber auch unglaublich schön. Zumal wir für die Fahrt perfekte Wetterbedingungen hatten.

Ruta 40 – Mount Fitz Roy

Von der Ruta 41 kommt man auf einer weiteren Piste zurück zur asphaltierten Ruta 40. Diese ist weitestgehend gut befestigt und nur in einem Abschnitt nördlich von Tres Lagos eine Schotterpiste. Doch die 70 Kilometer haben es durchaus in sich. Viele Motorradreisende berichten von teils schweren Unfällen auf diesem Abschnitt. Zwar geht es eigentlich fast nur geradeaus, aber der argentinische Wind ist teilweise so stark und böig, dass man leicht in den tieferen Schotter gedrückt wird. Ist man dann zu schnell, endet das Ganze meist in einem Sturz.
Mike und ich kamen aber gut durch und hatten keine Probleme.

Entlang der Ruta 40 gibt es zwei Orte die man nicht verpassen sollte. Der erste Abstecher sollte nach El Chaltén gehen. Von dort kann man zum Mount Fitz Roy wandern. Die 11 Kilometer für eine Strecke sind besonders am Schluss sehr anstrengend. Denn auf dem letzten Kilometer müssen 400 Höhenmeter überwunden werden. Doch die Strapazen lohnen sich unbedingt, denn oben angekommen wird man mit einem grandiosen Blick auf den Berg und die beiden Seen belohnt.

Perito Moreno Gletscher

Die zweite Station ist der Perito Moreno Gletscher. Ich hatte zwar schon in Kanada und Alaska Gletscher gesehen, aber dieser ist schon nochmal etwas ganz besonderes. Der Anblick dieser unfassbar großen Eismassen ist überwältigend. Wenn man nah genug am Gletscher und etwas leise ist, kann man sogar das Knacken des Eises hören.

Da Mike und ich etwas Zeitdruck hatten und auch das schöne Wetter nutzen wollten um möglichst zügig nach Ushuaia zu kommen, fuhren wir direkt nach dem Besuch am Gletscher zurück zur Ruta 40 und weiter Richtung Süden. Auch im nächsten Ort füllten wir nur die Tanks der Motorräder und unsere Vorräte auf. Als es dann Dunkel wurde, fanden wir entlang der Straße eine freie Fläche zum Zelten. Dort hat Mike dann dieses geniale Photo unserer Motorräder unter dem Sternenhimmel gemacht.

Feuerland und Ushuaia

Am nächsten Tag machten wir den langen Ritt nach Ushuaia. Dabei hatten wir zwei Grenzübergänge und eine Fährfahrt über die Magellanstraße vor uns. Die Grenzübergänge nach und aus Chile verliefen ohne größere Probleme. Lediglich Mike musste einmal länger warten, weil wohl in einem Dokument die falsche Passnummer eingetragen wurde. Die Fahrt mit der Fähre war auch entspannt, da wir weiterhin gutes Wetter hatten. An stürmischen Tagen kann es schonmal passieren, dass die Fähre nicht ablegt, weil die See zu rau ist.

Am Abend erreichten wir im Dunklen und bei Regen Ushuaia und suchten eines der zahlreichen Hostels auf. Der Ort selbst ist sehr touristisch geprägt und dennoch war an dem Wochenende nicht besonders viel los. Nach einem Spaziergang durch die größtenteils geschlossene Einkaufsstraße wusste ich auch warum. Es war Karneval und Rosenmontag und Faschingsdienstag sind wohl Feiertage in Argentinien. Mike und ich nutzen die Zeit für ein paar Fotos am Schriftzug des Stadtnamens und um uns von der langen Fahrt durch die Einöde des argentinischen Patagoniens zu erholen.

Zurück nach Chile

Für die Fahrt zurück in Richtung Norden hatte ich schon vor einigen Tagen ein Ticket für die Fähre von Puerto Natales nach Puerto Yungay gebucht. Diese Fahrt ist zwar für ausländische Touristen nicht gerade billig, aber die Alternative auf der Ruta 40 zurück durch Argentinien zu fahren auch nicht sonderlich verlockend.
Und so hatte ich zwei Tage Pause und konnte die Landschaft der Fjorde und Inseln nochmal aus einer anderen Perspektive betrachten. Mike musste bis zuletzt warten, ob für ihn noch ein Platz auf der Fähre frei ist und hatte dann aber doch noch Glück. Somit ging unsere gemeinsame Reise noch etwas weiter.

Zurück in den warmen Norden

Von Puerto Yungay ging es erneut auf der Carretera Austral zurück bis nach Cochrane. Dort trennten sich die Wege von Mike und mir. Ich blieb noch zwei Nächte im Ort, während Mike schon weiter in Richtung Santiago de Chile fuhr.
Meine Route sollte von Cochrane wieder über den Paso Roballos nach Argentinien und dann entlang der Ruta 41 Richtung Norden gehen. Dabei fuhr ich nochmals durch sehr schöne Landschaften, aber leider auf nicht so schönen Schotterpisten. Auf argentinischer Seite hat man doch sehr viel des weniger schönen “Wellbleches” zu befahren. Das ganze Motorrad rüttelt und bei jedem Stop prüfte ich, ob noch alles dran ist.

Besonders die etwa 80 Kilometer zurück zur Grenze nach Chile am Paso Ibanez hatten es in sich. Jetzt weiß ich auch, warum dieser Grenzübergang von keinem anderen Reisenden erwähnt wurde und ich das Gefühl hatte die Beamten dort aus ihrer Mittagsruhe zu wecken.
Beim Zelten merkt man auch immer sehr gut wie es langsam wieder wärmer wird, wenn man in Richtung Norden reist.

Nationalpark Queulat

Ein weiterer Höhepunkt auf der Rückfahrt nach Santiago de Chile war der Nationalpark Queulat. Bereits auf dem Weg nach Ushuaia hatten Mike und ich den Gletscher dort in den Bergen gesehen. Da zu dem Zeitpunkt aber noch Ferienzeit in Chile war, tummelten sich massenweise von chilenischen Urlaubern am Eingang des Parkes.
Also hob ich mir diesen Besuch für die Rückfahrt auf. Der Plan ging auf. Es waren kaum noch Leute dort und da ich im Park auch übernachtete, konnte ich sogar am Abend fast ganz allein den Aufstieg zur Aussichtsplattform machen.

Colonia Dignidad

Eher zufällig habe ich auf der Karte den Ort Villa Baviera gesehen. Der Name machte mich etwas stutzig und ich recherchierte was es damit auf sich hat. Als ich las, dass dies die ehemalige Colonia Dignidad ist und man diese besuchen kann, hatte ich ein weiteres Ziel für meine Reiseroute gefunden. Vor ein paar Jahren habe ich den Film “Colonia Dignidad – Es gibt kein zurück” gesehen. Ein wahre und sehr schreckliche Geschichte. An diesem Ort hatte ein deutscher “Prediger” sich mit einer Gruppe von Gefolgsleuten niedergelassen. Er hat diese mit brutalsten Mitteln unterdrückt und manipuliert und so seine Position als Anführer gesichert. Später kamen dann Verstrickungen in den Militärputsch Pinochets und die anschließende Diktatur in Chile dazu.

Für mich war es sehr überraschend, dass auch heute noch Menschen, die unter dem Regime gelitten haben, in diesem Ort leben. Mit zwei Frauen habe ich mich unterhalten, beide konnten recht gut Deutsch, und machten auf mich einen sehr seltsamen Eindruck. Auch kann ich es nicht nachvollziehen, wie in einem Haus, in welchem noch vor wenige Jahren Menschen zu Tode gefoltert wurde, heute ein Hotel betrieben wird. Das ganze Gelände wird sogar für Hochzeitsfeiern vermietet. Auf den Plakaten am Museum werden die Jahre von 1961 bis 1997 einfach nur als “schwierige Jahre” bezeichnet.
Wenn du dich für diese Teile der Geschichte interessierst, dann empfehle ich entweder den Film zu schauen oder bei Wikipedia nachzulesen.

Corona und das abrupte Ende

Bereits auf dem Weg zurück nach Santiago de Chile erfuhr ich von den sich immer weiter ausbreitenden Corona Viren. Mein Plan war in Santiago auf meine Freunde aus Deutschland zu warten, welche mich dort über Ostern besuchen wollten. Doch als ich am 14. März wieder im Casa Matte Hostel ankam, sah es schon nicht mehr so aus, als wäre eine Reise nach Chile möglich.
Kurz hatte ich überlegt schnell noch nach Argentinien auszureisen. Denn es ist etwas günstiger dort zu leben, als in Chile. Außerdem wollte ich mir den Norden des Landes noch mehr ansehen. Heute bin ich sehr froh, dass ich doch in Santiago geblieben bin. Denn nach wenigen Tagen wurde in Argentinien eine komplette Ausgangssperre verhängt. Von anderen Reisenden erfuhr ich, dass die zuvor noch gern gesehenen Touristen, plötzlich aus den Orten “gejagt” wurden und nirgends mehr willkommen waren.

In Santiago war es noch lange Zeit recht ruhig. Die Grenzen zu den Nachbarländern waren geschlossen und somit eine Weiterreise erstmal nicht mehr möglich. Mein Überlegung war nun einfach abzuwarten und in vielleicht zwei Wochen, wenn alles wieder normal läuft, weiter zu fahren.
Doch auch dieser Plan sollte sich nochmals ändern. Die Lage wurde weltweit immer schwieriger für Überlandreisen.
Somit entschied ich mich dann doch für die Rückkehr nach Deutschland. der erste gebuchte Flug wurde kurz darauf gecancelt. Die Rückholflüge des Auswärtigen Amtes waren für Chile noch nicht richtig aktiv. Also buchte ich einen neuen Flug, der mich dann am 26. März mit Zwischenstop in Madrid nach Frankfurt brachte.

Rückkehr nach Deutschland

Dort hatte ich eigentlich mit besonderen Kontrollmaßnahmen gerechnet, aber alles lief wie immer. Eine kurze Passkontrolle und schon war man im Land. Auch beim Zwischenstop in Madrid gab es keine besonderen Kontrollen. Leidglich Lautsprecheransagen mit dem Hinweis Abstand zu wahren wurden öfter gespielt, als die sonst üblichen Gepäckhinweise. Auch eine Quarantäne musste ich nicht einhalten. Wobei die Ausgangsbeschränkungen dem ja fast gleich kommen.

Mit dem Zug fuhr ich dann nach Leipzig und bin nun seit Samstag den 28. März wieder in Sachsen. Es war Anfangs etwas komisch wieder zu Hause zu sein. Auch weil ich überrascht war, wie schnell ich mich wieder an alles gewöhnt habe. Nun heißt es auch für mich, abwarten bis die Corona Pandemie wieder unter Kontrolle ist.
Wie es danach mit der Reise weitergehen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Wer weiß schon genau, wann danach ist und wie es dann mit der Reisefreiheit aussehen wird.

2 Gedanken zu „CHILE – 2 Monate Motorradreise – 1 abruptes Ende“

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